I.

Das hier ist meine Geschichte. Zumindest ein Teil davon. Ich bin ein Mädchen, eins wie jedes andere auch. Das glaube ich zumindest. Ich fühle, denke und handle zumindest wie eines. Aber was weiß ich schon. Ich bin nicht reich, sondern eher arm. Nicht groß, sondern eher klein. Habe keine Mutter, keinen Vater. Ich bin eher allein. Das ist meine Geschichte.

„Naomi,…, Naomi, bist du wach?“ Eine Hand berührte mich am Arm, ich zog ihn schnell weg und schlug die Augen auf. Eine Frau schaute mich an und lächelte. „Wir müssen los. Deine neue Familie wartet auf dich. Komm.“ Ich funkelte sie an, aber das ließ sie kalt. Werde ich eigentlich auch gefragt, was ich möchte. Nein. Ich habe keinerlei Recht zu entscheiden, was mit mir passiert. So läuft das schon mein Leben lang. Ich komme von Familie zu Familie, von Haus zu Haus, von Ort zu Ort.

Ich richtete mich auf, schob die Bettdecke weg und streckte mich. Dann nahm ich meine verwuschelten Haare und band sie flüchtig zu einem Zopf. Ich blieb noch eine Weile sitzen und starrte an die kahle Wand, die sich mir gegenüber erstreckte. Sie war weiß und hässlich, wie alles hier. Die Frau ging zur Tür und drehte sich um. Ein wartender Blick ruhte auf mir. Schließlich stand ich auf und folgte ihr in den Gang. Meine Tasche stand schon gepackt da. Aber sie war nicht sehr voll. Ich hatte nicht viel. Wenn man so oft umzieht wie ich, lebt man nur mit dem nötigsten. Nicht mehr, nicht weniger. Ich nahm sie in die Hand und ging durch die Tür. „Und, bist du neugierig wer deine neue Familie ist?“ Die Frau lächelte mich an, aber ich stieg ins Auto ohne ihr eine Antwort zu geben. Was soll denn auch diese blöde Frage. Natürlich bin ich neugierig, wer will denn schon nicht wissen, wo er die nächsten Jahre lebt. Auch wenn meine Begeisterung begrenzt blieb. Ich würde lieber alleine leben, aber da ich noch nicht 21 bin, darf ich das nicht. Ich weiß nicht wer dieses Gesetz erlassen hat, aber es ist so. Ich bin erst 17 und muss deshalb noch ein paar Jahre bei irgendwelchen Familien wohnen. Es war noch früh am Morgen und die Sonne lugte langsam am Horizont hervor.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s