(Fortsetzung I.)

„Du hast echt Glück. Es gibt nicht viele Familien, die ein Kind adoptieren, das schon so ausgereift ist, wie du.“ Die Frau ging mir langsam auf die Nerven. Ja, ich bin wahnsinnig dankbar. Ich hoffte nur, das die Familie nicht so ist, wie alle anderen, bei denen ich bis jetzt war. Ich habe schon in den schlimmsten Drecksbuden leben müssen. Ich habe keine hohen Ansprüche, aber ich hätte wenigstens ein Dach über dem Kopf.

Ich hatte keine Ahnung, wohin wir fahren und deshalb wusste ich auch nicht, wie lange diese Fahrt dauern würde, aber ich stellte mich auf eine lange ein. Ich zog mir die Kapuze von meinem Hoodie über und lehnte mich an de Autotür.“Du kannst jetzt nicht schlafen, wir sind bald da. Wir fahren zum Flughafen, du kannst dann im Flugzeug schlafen.“ Jetzt war ich überrascht. Damit hatte ich nicht gerechnet. Wir bogen bei der Kreuzung ab und vor mir erstreckte sich der riesige Flughafen Washingtons. Die Frau bemerkte offensichtlich mein Erstaunen, denn sie lachte und sagte nur, ich solle mich überraschen lassen. Wir fuhren auf einen der freien Parkplätze und stiegen aus. Die Luft war schon wärmer als heute morgen und die Sonne stand auch schon hoch am Himmel. Mir war gar nicht aufgefallen, wie lange wir gefahren sind, aber es muss doch länger gewesen sein. Ich nahm meine Tasche und lief der Frau hinterher. Wir gingen zum Infostand und sie zeigte dem Mann am Empfang ein Ticket. Dieser nickte und deutete in eine Richtung. Ich versuchte irgendwo herauszufinden, wohin ich denn genau fliege, aber es war vergeblich. Die Frau nahm mir meine Tasche aus der Hand und machte mir deutlich, ihr zu folgen. Sie ging so schnell, dass ich schon fast rennen musste, um mit ihr mitzuhalten. Offensichtlich hatten wir es eilig. Sie drückte mir das Ticket in die Hand und schob mich durch die Kontrolle. Ahnungslos tat ich einfach das, was von mir erwartet wurde. Alles ging so schnell, ich hatte nicht mal Zeit auf mein Ticket zu schauen. Ich musste Jacke, Schuhe und Hoodie ausziehen, meine Tasche in einen separaten Korb legen. Ich ging durch das Tor und war erleichtert als es nicht unnötigerweise piepte. Ich nahm wieder meine Sachen und ging weiter. Ich stellte mich an eine Wand, um nicht im Weg zu stehen und schaute nach der Frau, doch sie war verschwunden. Sehr seltsam. So ins kalte Wasser geworfen wurde ich definitiv noch nie. Jetzt konnte ich endlich auf mein Ticket schauen und was ich sah, überraschte mich wirklich. Ich hatte ja gedacht, ich würde nur in eine andere Stadt in Amerika fliegen. Doch mein Ziel war London. Ich schaute auf die Abflugszeit und dann auf die Uhr. Ich lief zu meinem Warteplatz und setzte mich. London also.

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