2. Dezember

Moskau, Russland.

Moskau

 

 

Alleine mit einer Tasse heißem Tee schlenderte ich die schön geschmückten Straßen Moskaus entlang, auf dem Weg in den nächsten Buchladen. Die Bewohner hatten ihren Hauseingängen schon weihnachtlichen Hauch eingeführt und der Schnee stapelte sich schon auf den Gehwegen. Lichterketten verzierten Fenster und Auch die Bäume waren schon leicht winterlich geschmückt. Der Duft von Plätzchen stieg einem in die Nase. Ich bog um die Ecke als sich erneut viele bunter Farben an den Fensterscheiben präsentierten und ging geradewegs in den Buchladen. Als ich die Tür öffnete klingelte ein kleines Glöckchen und deutete dem Besitzer an, das ein Kunde den Laden betreten hatte. Ich schloss die Tür wieder hinter mir und trat in den Raum. Viele verschieden Bücher türmten sich zu allen Seiten auf und ich wusste nicht wo ich als erstes hingehen sollte. Da ich alleine wohnte und meine Eltern schon verstorben waren, verbrachte ich viel Zeit mit dem Lesen, da ich nicht wusste wohin sonst mit mir. Nach der Arbeit war es ein ganz netter Zeitvertreib und viele Figuren aus den Büchern waren mir ans Herz gewachsen. Natürlich fehlte mir jegliche Art von echter Zuneigung und Wärme. Seit ich denken kann war ich alleine und hatte nie eine echte Beziehung. Das war für mich sehr schlimm. Alleine die ganze Zeit zu sein und nie anerkannt zu werden. Das vermieste mir jedesmal den Tag. Ich wollte nicht alleine sein. Wieso kam es so? Als Kind hatte ich noch viele Freunde. Doch wie von einer Sekunde zur anderen, waren sie alle irgendwann nicht mehr da. Noch bei fand ein Mann mich attraktiv. Doch ich wusste nicht wieso. Eigentlich war ich eine ganz normale Frau.

„Suchen Sie was bestimmtes?“, ertönte eine Stimme hinter mir. Ich drehte mich um und sah den Verkäufer, der mir recht jung erschien und den ich noch nicht kannte. Sonst traf ich immer auf ein und denselben Verkäufer, doch nicht heute. „Nein, ich suche nur etwas neues zum lesen, aber nichts bestimmtes.“ Er kam hinter dem Tresen hervor und stellte sich neben mich. „Hmm, dann kann ich vielleicht etwas empfehlen?“ Ich lächelte und nickte. „Ja klar.“ Er ging zu einem der Regale, zog ein Buch raus und kam wieder. Dann reichte er mir das Buch und tippte auf den Titel. „Das ist ein echt gutes Buch.“ Ich las den Titel „in pairs alone“. Ich kannte es nicht. Aber ich entschied mich dem jungen Mann zu vertrauen und kaufte es.

Als ich am nächsten Tag den Laden erneut betrat, war wieder dieser junge Mann dort. Er lächelte als ich herein kam. „Schon gelesen?“, fragte er und ich nickte. „Und?“ „Es ist gut. Anders als die Bücher die ich bis jetzt gelesen habe, aber gut.“ Er lächelte. Dann ging er in das Hinterzimmer des Ladens, kam mit einem Mantel wieder und sagte. „Zeit zu zweit allein zu sein, oder?“ Ich schaute ihn verwirrt an.“Na, eigentlich wollte ich Sie schon gestern fragen, ob Sie Lust haben, einen Kaffe zu trinken. Als ich Ihnen das Buch gab, wollte ich eigentlich bloß darauf anspielen, aber es ist wohl nicht ganz so deutlich gewesen wie ich es mir erhofft hatte. Das Buch ist grauenhaft. Nur der Titel hätte gepasst.“ Er musste lachen und ich auch. Er hatte Recht. Das Buch war scheußlich, ich wollte nur höflich bleiben. Er nahm meine Hand, als würden wir uns schon seit Ewigkeiten kennen und wir traten gemeinsam auf die Straße. Endlich war ich nicht alleine. Er grinste zu mir rüber. „Ich heiße übrigens John.“

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Fortsetzung

„In einer Stunde erreichen wir den Flughafen London City. Die momentane Temperatur im Zielort beträgt 3°. Wir wünschen ihnen noch einen angenehmen Restaufenthalt. Wir freuen uns das sie mit United Airlines geflogen sind. Ihr United Airlines Team.“ Die Stimme verschwand. Nur noch 1 Stunde. Es war 2 Uhr nachts und ich hatte noch kein Auge zugetan. Wie auch. Mich erwartete ein komplett neues Leben. Schon wieder. Seit Jahren wandere ich von einer Familie zur anderen. Von Ort zu Ort. Ich wusste weder wie die neue Familie hieß, noch wie viele es waren oder wie sie aussahen. Ich hatte keine Ahnung, wie ich sie am Flughafen finden sollte. Panik kroch in mir hoch. Ich nahm schnell einen Schluck von dem Wasser, das mir die nette Frau gebracht hatte und versuchte mich abzulenken indem ich eine Zeitschrift durchblätterte. Es hatte keinen Zweck. Ich versuchte meine Augen zu schließen und ein wenig zu schlafen, damit ich nicht total geschafft dort ankomme.

Fortsetzung

„Na eben solch ernste Themen, wie Krebs und so. Ich kenne nicht viele die das lesen.“ „Aha.“ „Das soll jetzt nicht böse gemeint sein. Ich finde das gut. Gefällt mir sogar sehr, ich lese auch viele solche Bücher, aber meine Freunde haben eben nicht sowas gelesen, deshalb ist es neu. Ich kann mich quasi endlich mal austauschen.“ Ich zwinkerte ihm zu und hoffte er hatte es nicht in den falschen Hals gekriegt, was ich gesagt habe. Ich nahm die nächste Gabel in den Mund. Das Essen war überraschend gut, dafür das es im Flugzeug war. Mir wurde immer erzählt, es sei so schlecht. „Nein, ich verstehe schon was du meint. Ich lese viel. Aber ich kann Bücher über Fantasy und Drachen oder so etwas nicht ausstehen. Früher habe ich das schon gelesen, aber ich finde ich bin aus dem Alter einfach raus.“ „Wie alt bist du denn?“ „18.“ entgegnete er. „Du?“ „17.“, sagte ich und biss in das beigelegte Brot. „Ja, das habe ich mir gedacht.“ „Wieso das denn?“ Ich schaute ihn wieder an. Das erste mal so richtig, ich hatte mich davor nicht getraut ihn länger anzusehen, weil es mir unhöflich vorkam, aber jetzt bemusterte ich ihn. Er hatte tiefblaue Augen und ein markantes Gesicht, Anzeichen von einem Bart und braunes bis blondes Haar. Seine Nase war eine Mischung zwischen einer spitzen Nase und einer Stupsnase und er war braun gebrannt. Er sah erstaunlich gut aus. „Ich bin einfach nur gut im Raten, das ist alles.“ „Achso.“ Ich legte das Brot auf den Teller und packte den Muffin in meine Jackentasche, dann drückte ich den Deckel wieder auf den Teller und trank einen Schluck. Er deutete auf das Buch. „Lies ruhig weiter, kein Problem, ich werde jetzt ein wenig schlafen.“ Dann legte er seine Jacke an die Wand und lehnte sich dagegen.  Ich nahm das Buch und war schnell wieder in der Welt von John Green vertieft.

(Fortsetzung I.)

„Du hast echt Glück. Es gibt nicht viele Familien, die ein Kind adoptieren, das schon so ausgereift ist, wie du.“ Die Frau ging mir langsam auf die Nerven. Ja, ich bin wahnsinnig dankbar. Ich hoffte nur, das die Familie nicht so ist, wie alle anderen, bei denen ich bis jetzt war. Ich habe schon in den schlimmsten Drecksbuden leben müssen. Ich habe keine hohen Ansprüche, aber ich hätte wenigstens ein Dach über dem Kopf.

Ich hatte keine Ahnung, wohin wir fahren und deshalb wusste ich auch nicht, wie lange diese Fahrt dauern würde, aber ich stellte mich auf eine lange ein. Ich zog mir die Kapuze von meinem Hoodie über und lehnte mich an de Autotür.“Du kannst jetzt nicht schlafen, wir sind bald da. Wir fahren zum Flughafen, du kannst dann im Flugzeug schlafen.“ Jetzt war ich überrascht. Damit hatte ich nicht gerechnet. Wir bogen bei der Kreuzung ab und vor mir erstreckte sich der riesige Flughafen Washingtons. Die Frau bemerkte offensichtlich mein Erstaunen, denn sie lachte und sagte nur, ich solle mich überraschen lassen. Wir fuhren auf einen der freien Parkplätze und stiegen aus. Die Luft war schon wärmer als heute morgen und die Sonne stand auch schon hoch am Himmel. Mir war gar nicht aufgefallen, wie lange wir gefahren sind, aber es muss doch länger gewesen sein. Ich nahm meine Tasche und lief der Frau hinterher. Wir gingen zum Infostand und sie zeigte dem Mann am Empfang ein Ticket. Dieser nickte und deutete in eine Richtung. Ich versuchte irgendwo herauszufinden, wohin ich denn genau fliege, aber es war vergeblich. Die Frau nahm mir meine Tasche aus der Hand und machte mir deutlich, ihr zu folgen. Sie ging so schnell, dass ich schon fast rennen musste, um mit ihr mitzuhalten. Offensichtlich hatten wir es eilig. Sie drückte mir das Ticket in die Hand und schob mich durch die Kontrolle. Ahnungslos tat ich einfach das, was von mir erwartet wurde. Alles ging so schnell, ich hatte nicht mal Zeit auf mein Ticket zu schauen. Ich musste Jacke, Schuhe und Hoodie ausziehen, meine Tasche in einen separaten Korb legen. Ich ging durch das Tor und war erleichtert als es nicht unnötigerweise piepte. Ich nahm wieder meine Sachen und ging weiter. Ich stellte mich an eine Wand, um nicht im Weg zu stehen und schaute nach der Frau, doch sie war verschwunden. Sehr seltsam. So ins kalte Wasser geworfen wurde ich definitiv noch nie. Jetzt konnte ich endlich auf mein Ticket schauen und was ich sah, überraschte mich wirklich. Ich hatte ja gedacht, ich würde nur in eine andere Stadt in Amerika fliegen. Doch mein Ziel war London. Ich schaute auf die Abflugszeit und dann auf die Uhr. Ich lief zu meinem Warteplatz und setzte mich. London also.